unchained, uncaged... only in virtuality
  Startseite
  Über...
  Archiv
  Stellungnahme
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Freunde
    roses.salvation
    - mehr Freunde


Links
   fragile.sorrow
   simplicity of beauty
   rainwillfall


http://myblog.de/endless-masquerade

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
I.

"Looking glass, take the past... Shut your eyes, mirror lies"
The Yeah Yeah Yeahs 

Ich will schreien. Explodieren und damit mein ganzes Leben auslöschen. Meine Seele aus dem Leib kreischen. Zitternd wünsche ich mir, in einem schalldichten Raum zu sein. Ein Wunder, dass ich die Tastatur bedienen kann.
Zwischen den krampfartigen Bewegungen meiner Hände und den unregelmäßigen Schauern, die meinen Körper durchfluten kann ich kaum denken, geschweige denn schreiben.
Irgendwie muss ich es wieder loswerden. Rausbekommen. Aber WIE? Ich will mich einfach nur übergeben, alles wieder wettmachen.
Jetzt kommen auch noch Tränen… und Schwindel. Ich will einfach nicht mehr.
Bin ich jetzt endgültig verrückt geworden? Bin ich vollkommen durchgedreht?
Ich dachte, ich weiß, was es heißt eine Essstörung zu haben. Ich hatte ja gar keine Ahnung.
Ja, eine seltsame Einleitung für einen Blog, aber immerhin ein Einblick in meine momentanen Gedanken.
Wieso fange ich in dem Zustand an zu schreiben? Vielleicht, weil ich jetzt am meisten Unterstützung brauche. Vielleicht, weil ich meine Gedanken festhalten will, wozu auch immer.
Mittlerweile beruhige ich mich wieder… Und trotzdem. Ich werde noch einmal, zweimal, dreimal aufstehen und mir Nachschub holen. Immer mehr von der Sache, die ebenso hasse und liebe. Essen. Und ich komme mir unendlich dumm vor. Unendlich undiszipliniert. Und krank.
Ich kann kaum atmen, so voll bin ich. Und trotzdem stopfe ich immer mehr in mich hinein.
Und jetzt muss ich gehen, mehr essen. Oh Gott.

16.10.10 18:29


II.

"Don't ever let them see you cheat,
Don't ever let them see you bleed"
-Filter
 

Resumeé des letzten Tages: Es macht keinen Spaß scharfes Curry zu erbrechen.
___________________________ 

Ich habe beschlossen nicht mehr zu schlafen. Also, nicht gar nicht mehr zu schlafen, aber die Zeit zu kürzen, in der ich träumend meine Zeit vergeude.
Meine Träume sind ohnehin schon lange nicht mehr träumenswert. Nur noch in Metaphern gekleidete Ängste, schmerzhafte Erinnerung an meine Sehnsüchte.

Ich werde überleben... nur von Kunst und Kaffee. Von dem einzigen, was mir Antrieb gibt.
Ich werde eine Künstlerin sein. Schauspielerin, vielleicht Musikerin. Nebenbei Psychologie studieren und einfach nur LEBEN.
Das alles in London, weit weg von meiner Heimatstadt, mit der mich sowieso kaum etwas verbindet.

Dort werde ich mich neu erfinden. Niemand der mich kennt, oder besser gesagt, glaubt mich zu kennen.

Hoffnungsvoll schaue ich in die Zukunft...

18.10.10 02:09


III.

 Einfach weiterlächeln.



Eine Maschine. Das ist ALLES, was ich bin. Immer das Richtige sagend, immer das Richtige tuend. Musterschülerin, Mustertochter… Muster.
Nur ein Muster, ein Schema. Wie man eben sein sollte, wie es in den Büchern steht.
Freundlich, nett, zuvorkommend. Lachen im richtigen Moment, weinen im anderen.

Von falschem Lachen bekomme ich Kopfschmerzen. Von falschem Weinen wird mir schlecht. Konstante Migräne und Übelkeit. Einfach weiterlächeln.

Wie ein Roboter, dem man beigebracht hat menschliche Gefühle zu zeigen. Zu zeigen, aber nicht zu empfinden. Hauptsache meine Mutter kann stolz von mir schwärmen, während ich mich selbst nur noch anekle. Die echten Tränen kommen nachts, unbemerkt. Einfach weiterlächeln.

Anstatt die Meinung anderer zu verleugnen, verleugne ich mich. Anstatt andere mit Ehrlichkeit zu verletzen, verletze ich mich.
Schneide tief in mein eigenes Fleisch. Beobachte lächelnd wie das Blut an meinen milchig-weißen Armen hinunterläuft. Keine Kopfschmerzen.

Wirf die Münze ein, drück den Knopf. Ich reagiere wie gewünscht.
Manchmal, manchmal wünsche ich die Freiheit des Todes. Schmerzfrei lachend und weinend im selben Augenblick, sehne ich ihn herbei. Im nächsten Moment wieder bei einem Familienfest, einer Party, in der Schule, heuchlerisch lächelnd. Viel zu geübt, um einen Unterschied erkennen zu lassen. Diese verdammten Kopfschmerzen!

„Lächelst du, bist du fröhlich, so wirst du geliebt.“

Meine Hülle, sie wird geliebt. Angehimmelt, bewundert. Meine Hülle ist ein Vorbild, denn sie wurde nach einem Vorbild geformt.
Das selbstzerstörerische, ketzerische, egozentrische, narzisstische Ich. Würde es geliebt werden? Von IRGENDJEMANDEM?

Nächster Moment. Begräbnis einer Großtante. Leise weinend beteuere ich, wie gerne ich sie doch gekannt hätte, werde in den Arm genommen. Plötzlich wird mir schlecht. Für meine wahre Emotion – LANGEWEILE – würde ich höchstens angewiderte Blicke empfangen.

Ich verabscheue jegliche Art von Feiertagen. Welche es auch immer sein mögen, eines haben sie immer gemeinsam: falsches Lachen, falsche Zuneigung, zwanghaftes Beschenken.
Ich möchte schreien. Alle anschreien, sie sollen endlich aufhören. Diesen harmoniesüchtigen Puppen der Gesellschaft ins Gesicht spucken. Das sind die schlimmsten Tage. Und doch, freundlich plaudere ich, verschenke, werde beschenkt. Erwartungsvoll auspacken, erstauntes und überglückliches Gesicht beim Anblick des Geschenkes. Egal, was es ist.

Doch heute…heute werde ich alles beenden. Meine Familie ist nicht zu Hause, die Wohnung leer. Freudigen Erwartens gehe ich langsam auf die Eingangstür zu. Male mir aus, wie ich gefunden werde. Ein blasser, lebloser Leib. Umhüllt von einem dunkelblauen Chiffon-Kleid. Mit Wasser durchtränkt. Ein wunderschöner Tod. Heute ist mein Geburtstag und er wird auch mein Todestag werden. Briefe werde ich nicht zurücklassen. Sie würden es ohnehin nicht verstehen.

Endlich schließe ich auf, trete ein und atme erst mal tief durch. Gerade will ich meine Jacke ablegen, da höre ich ein lautes:

„ALLES GUTE ZUM GEBURTSTAG!“

Alle sind gekommen, Familie, „Freunde“, Bekannte.
Morgen, verspreche ich mir leise. Morgen.
 

Einfach weiterlächeln.

18.10.10 20:04


IV.

"I just want what everybody wants - everything."

Ich habe Angst... Seit gestern unaufhörlich.
Ich habe Angst, weil mir klargeworden ist in welche Richtung ich mich bewege. Unweigerlich.

Ich werde vollkommen außer Kontrolle geraten. Die Essstörung wird die Oberhand gewinnen. Diesen Kampf kann ich nur verlieren. Außerdem habe ich sowieso keinen Antrieb zu kämpfen. Wieso das einzige, das mir bleibt anfechten? Wieso das einzige, was mich noch ausmacht auslöschen?

Ja, es ist traurig, dass ich mich nur über meine Essstörung definiere. Aber mehr habe ich nunmal nicht.

Ich weiß, dass ich nicht dick bin. Ich weiß, ich bin dünn. Dünn, aber nicht dünn genug. Was mache ich mir vor? Es ging nie um meine Figur, um mein Aussehen. Es tut einfach weniger weh sich mit dem Äußeren zu beschäfitgen, als mit dem Inneren. DEM, was wirklich in mir vorgeht. Ich will es gar nicht wissen.

Vielleicht ist es nur meine gegenwärtige Stimmung, aber ich habe das unbestimmte Gefühl auf den Tod zuzusteuern. Den geistigen, den emotionalen Tod. Dabei bin ich in letzter Zeit erstaunlich gut gelaunt. Vielleicht werde ich langsam realistischer. Vielleicht kann mich die Utopie der Essstörung nicht mehr täuschen. Aber vielleicht, vielleicht fange ich an, den Verstand zu verlieren. Ganz langsam. Und schmerzvoll.

19.10.10 14:50


 [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung